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SEO & CRO 5 Min. Lesezeit

KI-Sichtbarkeit messen Ein Lauf lügt

Stefan Steeger Stefan Steeger Performance-Marketing & Tracking
KI-Sichtbarkeit messen: Ein Lauf lügt

Du tippst deine Leistung in ChatGPT, dein Name taucht auf, und der Tag ist gerettet?
Ich muss dir das kaputtmachen. Dieselbe Frage, fünf Minuten später gestellt, liefert eine andere Firmenliste. Wer KI-Sichtbarkeit messen will und dafür einmal fragt, misst nicht seine Sichtbarkeit. Er misst einen Würfelwurf.

Ich habe das nicht vermutet, sondern nachgerechnet: 20 Fragen, vier Systeme, fünf Wiederholungen. 400 Antworten, Messung vom 18.08.2026, eigene Domain als Testobjekt.

Wie stark schwanken KI-Antworten bei derselben Frage?

Bei ChatGPT zitierten von 186 Vergleichspaaren derselben Frage nur 4 exakt dieselben Quellen, das sind 2,2 Prozent. Die durchschnittliche Überschneidung der zitierten Quellen zwischen zwei Läufen lag bei 35,7 Prozent. Gemessen am 18.08.2026 von Steeger Marketing über 400 Antworten aus 20 Fragen, vier Systemen und fünf Läufen; verglichen wurde jeweils die Menge der zitierten Domains zweier Läufe derselben Frage im selben System.

Über alle vier Systeme hinweg: 757 Vergleichspaare, davon 313 identisch. Bei knapp 59 Prozent aller Wiederholungen kam etwas anderes heraus als beim Lauf davor.

Dazu häufen sich die Quellen auf: Über die fünf Läufe tauchten 1.237 verschiedene Domains auf, in allen fünf standen davon nur 377 – also 30,5 Prozent. Zwei von drei zitierten Quellen sind Zufallsgäste.

16 Agenturen, eine Konstante: ein Beispiel aus der Messung

Ich habe eine Frage herausgezogen und die fünf ChatGPT-Antworten von Hand ausgezählt: „Welche Agentur in Deutschland macht serverseitiges Tracking mit dem Google Tag Manager?" Fünfmal gestellt, am selben Tag, im selben System.

Ergebnis: 16 verschiedene Agenturen genannt, im Schnitt 7,2 pro Antwort. Davon stand genau eine in allen fünf Antworten (TRG – The Reach Group). Zwei kamen viermal vor, drei dreimal, vier zweimal.

Und dann der Teil, der wehtut: Sechs Agenturen wurden genau ein einziges Mal genannt. BRANDUNG, AdStrive, LocalPerformance, KMU-Marketeers, CAMEDIA und Bloofusion hätten bei vier von fünf Versuchen gar nicht existiert.

  • Für die sechs Einmal-Firmen: Wer zufällig den richtigen Lauf erwischt, hält sich für sichtbar. Er ist es nicht.
  • Für alle anderen: Ein negativer Einzeltest ist so wertlos wie ein positiver. Du kannst in 40 Prozent der Antworten vorkommen und beim ersten Versuch trotzdem fehlen.

Warum KI-Sichtbarkeit messen ohne Wiederholungen nicht funktioniert

Wer KI-Sichtbarkeit messen will, misst keine Position, sondern eine Wahrscheinlichkeit. Ein Sprachmodell zieht seine Antwort bei jeder Anfrage neu aus einer Live-Suche; eine gespeicherte Rangliste, die man abfragen könnte, existiert nicht. Und eine Wahrscheinlichkeit misst man nicht mit einem Versuch.

Das deckt sich mit der bislang größten Untersuchung dazu. SparkToro (Rand Fishkin) und Gumshoe.ai haben im November und Dezember 2025 rund 2.961 Durchläufe zu 12 identischen Prompts über ChatGPT, Claude und Googles KI-Übersichten laufen lassen, veröffentlicht im Januar 2026. Ihr Befund: Die Chance, zweimal dieselbe Markenliste zu bekommen, lag unter 1 Prozent. Dieselbe Liste in derselben Reihenfolge: rund 1 zu 1.000.

Ihre Schlussfolgerung ist auch meine: Der Rangplatz ist unbrauchbar, der Anteil der Antworten mit Nennung ist stabil. Manche Marken tauchten in 60 bis 90 Prozent der Antworten zu einer Frage auf – schwankend in der Position, verlässlich in der Präsenz.

Nicht jedes System und nicht jede Frage schwankt gleich stark

Die Streuung ist kein Naturgesetz, sie hängt am System. In meiner Messung vom 18.08.2026 verhielten sich die vier Systeme völlig unterschiedlich:

System Läufe mit identischen Quellen mittlere Überschneidung
Perplexity 192 von 200 (96,0 %) 96,1 %
Google AI-Übersicht 107 von 200 (53,5 %) 84,0 %
Gemini 10 von 171 (5,8 %) 41,3 %
ChatGPT 4 von 186 (2,2 %) 35,7 %

Perplexity ist praktisch stabil, ChatGPT praktisch nicht. Wer also eine Zahl über „die KI" hört, sollte fragen, welches System gemeint ist. Ein Werkzeug, das nur Perplexity abfragt, verkauft dir eine Ruhe, die es bei ChatGPT nicht gibt.

Dazu kommt die Art der Frage. Conductor hat am 17.07.2026 eine Auswertung über 14.000 API-Aufrufe veröffentlicht: 10 Branchen, 7 Frageabsichten, 4 Sprachmodelle, 50 Läufe je Kombination. Die Markenüberschneidung fiel je nach Frageabsicht auseinander – Kaufabsicht 40 Prozent, Vergleichsfragen 63 Prozent. Ausgerechnet die Fragen kurz vor dem Abschluss schwanken am stärksten.

Wie oft musst du KI-Sichtbarkeit messen, damit die Zahl trägt?

Meine Regel: mindestens fünf Wiederholungen je Frage und System, und die Frage muss wörtlich dieselbe bleiben. Ausgewertet wird nicht der Rang, sondern die Nennungsquote – in wie vielen Antworten kommt der Name vor. Genau so läuft die Nullmessung, die ich als Erstes für jeden Kunden mache.

Woran du einen unsauberen Anbieter erkennst, wenn du KI-Sichtbarkeit messen lässt:

  • Ein Screenshot als Beweis. Ein einzelner Chatverlauf ist bei 2,2 Prozent Wiederholbarkeit kein Ergebnis, sondern ein Anekdötchen.
  • Eine Rangzahl. „Platz 3 in ChatGPT" gibt es nicht. Es existiert kein Index, aus dem sich ein Platz ablesen ließe. Wer einen nennt, hat ihn erfunden.
  • Ein Versprechen auf Platzierung. Versprechbar ist Arbeit an der Quellenlage, nicht ein Ergebnis. Auch ich verspreche keine Nennung.
  • Keine Angabe zum Umfang. Zu jeder Zahl gehört: welche Fragen, welche Systeme, wie viele Läufe, welches Datum.

Wie so eine Messung abläuft, steht auf der Seite zur KI-Sichtbarkeit und wie eine Nullmessung abläuft. Den eigenen Nullbefund habe ich in Wird deine Firma von ChatGPT empfohlen? offengelegt: 0 von 255 Antworten auf Marktfragen. Im Fachjargon heißt die Arbeit daran Generative Engine Optimization, kurz GEO – woraus die Systeme ihre Empfehlungen bauen, habe ich in der Auswertung von 971 Zitaten zerlegt.

Häufige Fragen zum Messen der KI-Sichtbarkeit

Wie messe ich, ob mein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt?

Du stellst eine feste Liste von Fragen, die deine Kunden wirklich tippen, in jedem System mehrfach und zählst, in wie vielen Antworten dein Name fällt. Entscheidend sind die Wiederholungen: Ein einzelner Durchlauf ist bei ChatGPT nur zu 2,2 Prozent reproduzierbar. Ausgewertet wird die Nennungsquote, nicht eine Position.

Warum nennt ChatGPT bei derselben Frage jedes Mal andere Firmen?

Weil die Antwort bei jeder Anfrage neu aus einer Live-Suche zusammengesetzt wird und es keine gespeicherte Rangliste gibt. In einer Messung vom 18.08.2026 nannte ChatGPT auf dieselbe Frage über fünf Läufe hinweg 16 verschiedene Agenturen, davon nur eine in allen fünf Antworten. Sechs Firmen kamen genau einmal vor.

Wie viele Wiederholungen braucht eine belastbare Messung?

Mindestens fünf Läufe je Frage und System, bei wörtlich identischer Frage. Weniger reicht nicht, weil die Streuung zwischen zwei Läufen größer ist als der Unterschied, den man messen will. SparkToro kam bei rund 2.961 Durchläufen auf unter 1 Prozent identische Markenlisten.

Kann man in ChatGPT eine feste Platzierung erreichen?

Nein. Es gibt keinen Index und keinen Rang, den man abfragen oder garantieren könnte. Wer eine Platzierung verspricht, verkauft eine Kennzahl, die es technisch nicht gibt. Messbar und veränderbar ist nur, in welchem Anteil der Antworten ein Unternehmen genannt wird.

Schwanken alle KI-Systeme gleich stark?

Nein, die Unterschiede sind groß. In der Messung vom 18.08.2026 lieferte Perplexity bei 96 Prozent der Wiederholungen dieselben Quellen, ChatGPT nur bei 2,2 Prozent. Eine Messung, die nur ein System abfragt, sagt deshalb nichts über die anderen drei aus.

Fazit: Einmal fragen ist kein Messwert

Wenn du dich heute selbst in ChatGPT suchst und dich findest, weißt du eines: Du kamst in diesem einen Durchlauf vor. Mehr nicht.

Die brauchbare Frage lautet nicht „Werde ich genannt?", sondern „In wie vielen von hundert Antworten werde ich genannt?" Das ist die einzige Zahl, die sich über die Zeit vergleichen lässt und zeigt, ob Arbeit an der Quellenlage etwas bewirkt hat. Steeger Marketing lässt deshalb jede Frage fünfmal je System laufen, bevor irgendetwas optimiert wird – KI-Sichtbarkeit messen kommt vor KI-Sichtbarkeit verbessern.

Alles andere ist ein Screenshot. Und ein Screenshot ist kein Beweis, sondern ein Glückstreffer mit Zeitstempel.

Willst du wissen, wie oft ChatGPT deine Firma wirklich nennt?

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