Meta Ads vs Google Ads – die Frage kommt in jedem zweiten Erstgespräch, und die Antwort soll eine Zahl sein. Ist sie aber nie.
Die Realität: Vier Werbekanäle in einem Konto melden vier verschiedene Preise, weil sie vier verschiedene Dinge zählen. Wer sie nebeneinanderlegt, vergleicht keine Leistung. Er vergleicht Definitionen.
Meta Ads vs Google Ads: was in 30 Tagen wirklich abgerechnet wurde
Ich habe am 17.09.2026 ein Konto ausgelesen, das Steeger Marketing betreut und das gleichzeitig auf vier Kanälen läuft. Zeitraum 11.08. bis 10.09.2026, Gesamtbudget 47.407 €, rein lesend über die jeweilige API. Es ist ein Musikmarketing-Konto – die absoluten Preise gelten also nicht für deine Branche, der Mechanismus dahinter schon. So weisen die vier Oberflächen es selbst aus:
| Kanal | Budget (30 Tage) | Was gezählt wird | Preis je Einheit |
|---|---|---|---|
| Google Ads | 11.457 € | Klick | 0,015 € |
| Meta Ads | 17.930 € | Seitenaufruf (landing_page_view) | 0,038 € |
| Spotify Ads | 16.520 € | Stream (Endergebnis) | 0,169 € |
| TikTok Ads | 1.500 € | Klick | 0,393 € |
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Wert liegt Faktor 27. Und trotzdem steht hier kein Sieger. Denn ein Google-Klick, ein Meta-Seitenaufruf und ein Spotify-Stream sind drei Stationen desselben Weges – nicht drei Angebote für dasselbe Ergebnis.
Warum der billigste Klick die schwächste Messung ist
Der günstigste Wert der Tabelle gehört zum flachsten Ereignis. Das ist kein Zufall, sondern eine Gesetzmäßigkeit: Je früher im Funnel ein Kanal aufhört zu messen, desto billiger sieht er aus.
Google Ads meldete im selben Zeitraum zusätzlich 174.465 Conversions zu 0,066 € das Stück. Klingt nach dem Deal des Jahrzehnts. In den Conversion-Aktionen stammen dann alle 174.465 aus einer einzigen Aktion: „YouTube channel subscriptions", Kategorie Engagement. Kein Kauf, kein Lead, keine Anfrage. Ein Abo.
Genau diese Verwechslung macht Kanalvergleiche wertlos. Wie weit Klickpreis und Preis je Ergebnis auseinanderlaufen können, habe ich an anderer Stelle an einem B2B-Konto durchgerechnet: 1,91 € pro Klick standen dort 89,43 € pro Conversion gegenüber. Derselbe Kanal, dieselbe Woche, Faktor 47.
Was passiert, wenn man Metas Klicks nachrechnet
Metas Spalte clicks zählt jede Interaktion mit – Reaktionen, Bildaufrufe, Profilklicks. Vergleichbar sind nur link_click und landing_page_view. Der Unterschied ist nicht akademisch. Fünf Kampagnen desselben Kontos, gleicher Zeitraum:
| Kampagne | gemeldete „Klicks" | davon auf einer Seite angekommen |
|---|---|---|
| Traffic LP | 709 | 87,0 % |
| Retargeting for LP | 204.373 | 74,3 % |
| Clickthrough to service | 346.884 | 53,5 % |
| Post Engagement „Battle" | 164.740 | 4,7 % |
| Follower Kampagne | 155.664 | 0,1 % |
Von 155.664 gemeldeten Klicks der Follower-Kampagne landeten 195 auf einer Seite. Wer diesen Kanal über die Spalte clicks gegen Google stellt, bekommt einen Klickpreis von 0,016 € und eine Entscheidung, die komplett auf Sand gebaut ist.
Noch ein Detail, das man nur beim Nachrechnen sieht: In zwei Kampagnen lag link_click über der Gesamtzahl der Klicks – 105,3 % und 111,6 %. Die beiden Felder stammen aus verschiedenen Zählungen und sind nicht einmal intern konsistent. Eine Plattformzahl ist kein Messwert, sie ist eine Selbstauskunft.
Meta Ads vs Google Ads: warum die Conversion-Zahlen nicht vergleichbar sind
Selbst wenn alle Kanäle dasselbe Ereignis zählen würden, zählen sie es über verschiedene Zeiträume. Das sind die Standardeinstellungen, Stand 2026:
- Meta Ads: 7 Tage nach Klick, 1 Tag nach Ansicht.
- Google Ads: 30 Tage nach Klick – viermal so lang.
- TikTok Ads: 7 Tage nach Klick, 1 Tag nach Ansicht.
- LinkedIn Ads: 30 Tage nach Klick, 7 Tage nach Ansicht.
Ein Nutzer, der am Montag eine Meta-Anzeige klickt, am Mittwoch über Google kommt und am Donnerstag kauft, erzeugt zwei volle Conversions in zwei Oberflächen – bei genau einer Bestellung. Deshalb ist die Summe deiner Plattform-Conversions systematisch höher als die Zahl in deinem Shop oder in deinem CRM, in dem die Leads sauber zusammenlaufen. Nicht wegen eines Fehlers. Weil beide Plattformen recht haben.
Die Rechnung, die statt des Kanalvergleichs funktioniert
Nur Spotify misst in diesem Konto das Endergebnis: 16.520 € für 97.901 Streams, 0,169 € je Stream, durchgemessen. Bei Meta endet die Messung am Seitenaufruf. Einen Meta-Preis je Stream auszurechnen wäre erfunden.
Also drehe ich die Frage um – das ist der Trick, den ich in jedem Kanalvergleich benutze: Welche Umwandlungsrate bräuchte der flacher messende Kanal, um den tiefer messenden zu unterbieten?
0,038 € je Seitenaufruf gegen 0,169 € je Stream: Meta müsste 22,4 % seiner Seitenaufrufe in Streams verwandeln, um gleichzuziehen. Diese Aussage ist prüfbar und widerlegbar, und kommt ein Wert über 100 % heraus, ist die Sache sofort entschieden. Eine erfundene Zwischenquote leistet das nicht.
Was du daraus für dein Budget machst
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:
- Ein Zähler außerhalb der Kanäle. Shop, CRM oder Buchungssystem. Solange die Wahrheit in vier Werbekonten liegt, hast du vier Wahrheiten. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die Case Studies von Steeger Marketing.
- Ein Ereignis, das für alle gilt. Nicht „Conversion", sondern „bezahlte Bestellung" oder „gebuchter Termin" – und dann je Kanal prüfen, ob er das überhaupt sehen kann. Native Formulare sind ein Sonderfall: Sie konvertieren stark, liefern aber eine andere Lead-Qualität als eine eigene Landingpage.
- Die Umwandlungsfrage statt des Preisvergleichs. Was müsste der flacher messende Kanal leisten, um den tiefer messenden zu schlagen? Diese Zahl kannst du testen, der Preisvergleich bleibt Behauptung.
Und der ehrliche Nachsatz, den du in kaum einem Kanalvergleich liest: Alle Zahlen oben sind zugeordnet, nicht ursächlich bewiesen. Ein Teil der Streams wäre auch ohne Werbung passiert. Für den Vergleich der Kanäle untereinander geht das in Ordnung – alle vier haben dieselbe Schwäche. Für die Frage nach dem zusätzlichen Ertrag bräuchte es einen Hold-out-Test.
Häufige Fragen zu Meta Ads vs Google Ads
Meta Ads vs Google Ads: welcher Kanal ist günstiger?
Auf dem Papier fast immer Google, weil der Klick dort das am flachsten gemessene Ereignis ist. Im ausgewerteten Konto kostete der Google-Klick 0,015 € und der Meta-Seitenaufruf 0,038 € – das sind aber zwei verschiedene Ereignisse. Vergleichbar wird es erst über ein gemeinsames Ziel wie eine bezahlte Bestellung.
Warum stimmen die Conversion-Zahlen von Meta und Google nicht überein?
Weil beide Plattformen dieselbe Bestellung für sich verbuchen dürfen. Meta rechnet standardmäßig 7 Tage nach dem Klick zu, Google Ads 30 Tage. Ein Nutzer, der beide Anzeigen berührt hat, erzeugt zwei Conversions bei genau einem Kauf.
Was ist der Unterschied zwischen Klicks und Link-Klicks bei Meta?
Das Feld clicks zählt jede Interaktion mit, auch Reaktionen und Bildaufrufe. Nur link_click und landing_page_view beschreiben, dass jemand die Plattform tatsächlich verlassen hat. In einer Kampagne des ausgewerteten Kontos kamen von 155.664 gemeldeten Klicks genau 195 auf einer Seite an.
Welche Attributionsfenster nutzen Meta, Google und TikTok?
Standard 2026: Meta 7 Tage nach Klick und 1 Tag nach Ansicht, TikTok ebenfalls 7 und 1, Google Ads 30 Tage nach Klick, LinkedIn 30 Tage nach Klick und 7 Tage nach Ansicht. Wer Kanäle vergleicht, muss die Fenster zuerst angleichen.
Wie vergleiche ich zwei Werbekanäle fair?
Mit einem Zähler außerhalb der Werbekonten und einem Ereignis, das in beiden Kanälen dasselbe bedeutet. Misst ein Kanal flacher als der andere, rechnest du aus, welche Umwandlungsrate er bräuchte, um den anderen zu unterbieten – statt einen Preis je Ergebnis zu erfinden.
Lohnt sich TikTok Ads neben Meta und Google?
Das entscheidet nicht der Klickpreis. Im ausgewerteten Konto war der TikTok-Klick mit 0,393 € der teuerste von allen, bei einer Klickrate von 0,22 Prozent. Ob sich das rechnet, zeigt erst ein gemeinsames Zielereignis – nicht der Vergleich zweier verschieden definierter Klicks.
Fazit: Der Preis ist die Antwort auf eine Frage, die du nicht gestellt hast
Meta Ads vs Google Ads entscheidet sich nicht am Klickpreis, sondern daran, welcher Kanal dein tatsächliches Ziel überhaupt sehen kann – und was du tust, wenn er es nicht kann.
47.407 €, vier Kanäle, ein Konto: Der billigste gemeldete Preis gehörte zur flachsten Messung, der teuerste zur einzigen vollständigen. Wer nach dem kleinsten Wert in der Tabelle umschichtet, verschiebt Budget in den Kanal mit der großzügigsten Definition – und hält das für Optimierung.
Willst du wissen, was deine Kanäle wirklich messen?
Kanäle vergleichen lassen